Samstag, 29. August 2015

Von Selbstbestimmung und ungeplanten Hausgeburten

Heute möchte ich euch nicht nur ein erstes Tragefoto zeigen, sondern heute möchte ich mit euch etwas ganz persönliches teilen.
Eigentlich schreib ich hier ja eher über genähtes, doch ich möchte dieses Erlebnis gerne einmal runterschreiben und vielleicht der ein oder anderen dabei etwas mitgeben.

So eine Geburt ist ja immer etwas ganz besonderes. Mann weiß nie wann es los geht, wie lange es dauert, wie man sich dabei verhält und in meinem Fall: wo das Kind geboren wird.

Ich war ja schon einige Tage über dem Termin und hab die Hoffnung auf eine Selbstbestimmte Geburt schon fast verloren. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden. Um 1.30Uhr war ich plötzlich hellwach. Mh,.. leichtes ziehen im Rücken aber sonst alles gut. Gleich mal die Gelegenheit nutzen und den nächtlichen Toilettengang machen. Im Bad angekommen wurde mir dann schon bewusst: Es geht los! Da der Große aber grade wach war packte ich mich nochmal zu ihm ins Bett bis er wieder schlief. Uff,... die ersten Wehen gingen vorbei. Erstmal Zähneputzen und was essen, denn irgendwie hatte ich plötzlich Hunger. Den Mann lass mal noch so lange wie möglich schlafen dachte ich mir.
Dann ging es allerdings richtig los. Starke Wehen im Minutentakt. Ich legte mich zu meinem Freund ins Bett und erzählte ihm das es jetzt los gehe. Ich wollte aber solange wie möglich zu Hause bleiben, denn ins Krankenhaus hätte ich allein fahren müssen. Wer sollte schon mitten in der Nacht aufs Kind aufpassen.

Die Wehen waren wie ein Sturm. Zeit zum Luftholen gab es nicht. Ich war nur damit beschäftigt alles zu veratmen und endlich eine Position zu finden in der es irgendwie geht. Schließlich lag ich im Kinderzimmer unterm Tisch in der Kindsstellung und forderte meinem Freund auf kräftig meinen unteren Rücken zu massieren. nach 2 1/2 Stunden Wehen im Minutentakt war ich am Ende und wollte nur noch aufgeben. Der Gedanke die nächsten wehen im Krankenwagen zu veratmen und im Kreissaal alleine zu sein gefiel mir gar nicht aber ich konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen und forderte meinem Freund auf im Kreissaal Bescheid zugeben und einen Krankentransport zu bestellen. 10 Minuten, dann sind wir bei ihnen.
Aber soweit sollte es nicht kommen. Kurz nach dem Anruf versuchte ich mich an zuziehen und legt mich nochmal aufs Bett.
Dann schrie ich nur noch: meine Fruchtblase ist geplatzt, ich hab Presswehen, ich spür den Kopf! Das Kind kommt Jetzt! Ersteinmal bekam ich Panik, während der Mann völlig aufgewühlt durch die Wohnung lief und alles für die Klinik zusammen suchte.
Die nächsten zwei Wehen versuchte ich noch alles hinaus zu zögern aber mir wurde immer klarer: Ich bekomm das Kind jetzt hier zu Hause! Mein Kopf war völlig leer und während mein Freund den Sanitätern die Tür öffnete gab ich mich dem Drang und der Natur einfach hin und als sie ins Zimmer kamen war unser Sohn bereits geboren.


Der Große schlief während dessen friedlich im Schlafzimmer und hat von alle dem nichts mitbekommen. Ich muss sagen, so hätte ich es niemals geplant aber ich kann mir keine schönere Geburt vorstellen. Alles lief nach meinem Tempo in einer vertrautem Umgebung ohne Medikamente, belehrende Ärzte oder ständigen Untersuchungen. Danach sind wir dann zwar noch in die Klinik aber ich bin am selben Tag ein paar Stunden später bereits wieder nach Hause und fühlte mich bis auf dem Schlafmangel ziemlich fit. Vielleicht nimmt es ja der ein oder anderen etwas Angst. Geburten müssen nicht immer furchtbar sein. Und wie ich wieder einmal gelernt habe: wann man auf sich vertraut und dem Körper zuhört dann ist alles was wir brauchen in uns veranlagt.

Wir genießen jetzt unsere Kuschelzeit. Es wird sicherlich eine Zeit dauern bis ich mich wieder an die Maschine setze.

Kommentare:

  1. Ohh, wie schön! Alles erdenklich Gute für dich und deine Familie. Eine solche Geburt ist wirklich traumhaft. Genießt die Kuschelzeit.
    Lieben Gruß
    Miriam

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  2. Uff!!! Wie spannend!!! Solche Szenarien gehe ich auch immer wieder durch im Kopf und träume auch davon! Schön, dass alles gut gegangen ist! Ich bin auch der festen Meinung, der Körper weiß was zu tun ist. Meinen liebsten und herzlichsten Glückwunsch!!!

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Ich freue mich über eure Kommentare auch wenn sie noch so klein sind.